ein fröhliches neues Ja (…hr)
Manchmal entscheidet nicht die große Welt über unser Leben –
sondern der eine Meter vor unserer Haustür
Der Jahreswechsel liegt noch gar nicht so lange zurück. Diese Tage, an denen viele Menschen plötzlich anfangen, über ihr Leben nachzudenken.
Wie seid ihr ins neue Jahr gegangen?
Leise?
Besinnlich?
Mit Ritualen, alten Gewohnheiten, neuen Vorsätzen?
Ich gehöre zu denen, die kein Problem damit haben, an so einem Abend zu Hause zu bleiben.
Mir etwas Gutes zu kochen.
Ein Glas einzuschenken.
Lieblingsfilme laufen zu lassen.
Und das alte Jahr in Ruhe zu verabschieden, während das neue ganz still anklopft.
Wenn Stille mehr sagt als Feuerwerk
Ich benötige dafür keine Kracher.
Keine großen Bühnen.
Keine lauten Versprechen.
Vielleicht auch, weil ich davor Respekt habe – vor dem Knallen, vor dem Übermut von unüberlegten Akteuren.
Und vielleicht auch vor diesem Kollektiv der Gesellschaft, an dem man nicht immer vorbeikommt. In Medien, im Freundschaftskreis und aus alten Traditionen, welche die Eltern schon mit ins Leben gebracht haben: diesen Vorsatz „Im neuen Jahr wird alles anders“, der oft so viel Druck in sich trägt.
Deswegen gefällt mir ein Podcast, der mir zwischen den Jahren in die Hände gefallen ist, sooooo gut.
Und da das Jahr noch nicht so fortgeschritten ist, ergibt es Sinn und Spaß, sich den darüber hinaus anzuhören.
»Ein fröhliches neues JA! Entweder es wird geil, oder es wird eine Erfahrung.« (Psychologie to Go / Franca Cerruti)
Der kleine Kreis der Dankbarkeit
Ich muss an meinen letzten Blogeintrag denken. An das Wiedersehen mit einer lieben Freundin.
Ihre Erkrankung war zu Silvester erst knapp anderthalb Jahre her.
Für sie war es wichtig, dieses neue Jahr nicht still vorbeiziehen zu lassen.
Sie wollte raus. Sie wollte unter Menschen und mit Menschen sein.
Lebendigkeit und Dankbarkeit spüren.
Sie wollte feiern, dass sie hier ist.
Meine eigene Geschichte liegt fast sieben Jahre zurück. Ich begrüße das Leben anders.
Ruhiger. Stiller.
Aber ich kann so etwas von nachempfinden und hautnah fühlen, was sie damit meint.
Auch, dass es etwas Besonderes, Heimeliges, Wunderschönes, Beschützendes, Wertvolles hat, mit Menschen, die man liebt, gemeinsam in dieses neue Jahr zu gehen.
Nicht aus Lautstärke. Sondern aus Dankbarkeit. Der Liebe des Lebens gegenüber.
Dankbar dafür, dass man noch Wege vor sich hat.
Wenn sich etwas neu ausrichtet
Könnt ihr Euch noch erinnern, erst vor ein paar Wochen, als uns selbst in unseren Breitengraden Schnee, Glätte und Frost, der Wintereinbruch, so überrascht haben?
Für ein paar Tage war alles wunderschön weiß und hell eingehüllt. Still. Fast märchenhaft.
Zeitlupe. Kokon-Gefühl.
Und zwischen den ersten Wochen des neuen Jahres, zwischen dem Sturm, der Kälte und Glätte, dem gewissermaßen „Lahmlegen“, habe ich gemerkt, dass sich in mir etwas neu ausrichtet.
Manchmal bemerke ich es nicht an den aufwühlenden Nachrichten.
Nicht an der Weltlage. Nicht an meinem Kalender.
Ich merke es daran, dass der Weg vor der Haustür plötzlich gefährlich aussieht.
Die große Welt und der eine Meter
Eis. Schnee. Wind.
Und plötzlich ist der Gang zum Kaminholz draußen im Garten keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern eine kleine Expedition.
Rutschgefahr. Verletzungsgefahr.
Der Biomüll muss warten. Tonne eingefroren, das Auto steht festgefroren und unbeweglich da.
Fahren, nach mühevollem Schneebefreien und Eiskratzen, wäre ohne einen Notfall eher grob fahrlässig. Und selbst der Notfall müsste dann anders, gelöst werden, vielleicht mit viel Ideenreichtum und alten Hausmittelchen, wie in guten alten Zeiten.
Man möchte nichts mehr bestellen, was eben so praktisch wäre bei dieser außergewöhnlichen Wetterlage; aber möchte man ein anderes Menschenleben wegen einer leeren Druckerpatrone oder Ähnlichem auf die Straße schicken? Nein!
Der Kühlschrank und der Vorratsschrank werden wichtig.
Der ältere Mensch im Haus meiner Heimat auch. Er benötigt besondere Fürsorge, Sorgfalt und Sicherheit.
Und in diesem ersten Wintereinbruch dieses Jahres stand ich nun da, in diesem Wettergezeitenwechsel, mit kalten Fingern und warmem Atem, und dachte: So fühlt sich Leben und Natur an, wenn es wieder ehrlich wird.
Nicht spektakulär. Nur verletzlich und so unglaublich ehrlich und authentisch.
Die Uhr und das innere Vorauseilen
Wir leben in einer Zeit, in der alles laut und permanent ist.
Krieg. Krisen. Schlagzeilen. Tempo.
Und dann kommt ein Sturm. Oder Schnee. Oder Eis.
Und plötzlich entscheidet nicht mehr die große Welt, sondern der Zentimeter vor deinen Füßen.
Ob du fällst.
Ob du hinauskommst.
Ob der Magen nicht knurren muss, weil Du glücklicherweise genug im Kühlschrank hast.
Vielleicht ist das die ehrlichste Form von „Der Weg ist das Ziel“.
Nicht als Kalenderspruch. Sondern als Frage, ob Du heute heil über diesen einen Meter kommst.
Seit Mitte, Ende Januar fühlte es sich für mich an, als wäre der Tag schon weiter, als die Uhr behauptet.
Als wäre es längst Nachmittag, obwohl es erst kurz nach Mittag ist.
Vielleicht, weil ich dieses Jahr auch innerlich schon weiter bin.
Dieses Mal nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft.
Ich pendle sehr gegenwärtig zwischen Norddeutschland und meiner Homebase.
Früher fühlte sich das nach Müssen an.
Heute fühlt es sich an wie zwei kleine Heimaten.
Ich nehme mich selbst mit.
Meine Gedanken. Meine Aufgaben. Meine Sehnsucht.
Der Weg verändert sich, aber ich gehe mit: und dadurch erdet er sich wie durch Zauberhand.
Die Zettel, die nicht gehen wollten
In den Raunächten, zwischen Weihnachten und dem neuen Jahr, habe ich mir dreizehn Zettel geschrieben. Dreizehn Dinge, die ich loslasse oder bewusster (er)leben will.
Und ich musste feststellen:
So schwer fühlt sich Loslassen manchmal auch in Wirklichkeit an.
Die ersten Zettel wollten einfach nicht brennen!
Ich versuchte es mit einem kleinen Feuerzeug.
Dann mit einem größeren Feuerzeug, mit einer größeren Flamme.
Ich versuchte es mit zusätzlichem Sauerstoff.
Einmal raffte ich mich auf und lief zum Kamin.
Der war mittlerweile fast ausgebrannt. Aber ich hatte Hoffnung. Ich wollte diesen Zettel loswerden und warf ihn in die letzten glühenden Kohlen.
Doch dieser Zettel war beharrlich.
Er wollte einfach nicht in Flammen aufgehen. Also packte ich ihn in einen größeren Kochtopf, entfaltete ihn noch einmal und öffnete vorsichtshalber das Fenster (besagter Sauerstoff).
Die Flamme schlug kurz hoch. Obacht, Stichflamme:-) Man weiß doch nie, ob es nur warm wird oder gleich alles Feuer fängt.
Beim vierten Zettel hatte ich dann Übung.
Und auch da zeigte sich wieder: In der Ruhe liegt die Kraft.
Der dreizehnte Zettel blieb. Und den sollte ich öffnen.

Wenn der Körper spricht
Seit Ende letzten Jahres trage ich wieder mal Schmerzen mit mir herum.
Unklar. Hartnäckig.
Und dieser Satz auf meinem 13. Zettel, fühlte sich an wie eine Antwort, die mein Körper längst schon kannte.
Nicht erst stark sein, wenn man zusammenbricht.
Sondern sich ernst nehmen, wenn etwas wehtut.
Nicht den Körper erst krank werden lassen, damit man – also ich – eine gute Entschuldigung hat, nein, zu sagen.
Nee. Klartext: Nein zu sagen, um meinen Körper nicht mehr als Schutzschild zu nehmen für Entscheidungen, die ich mental und selbstbewusst selbst treffen, aussprechen und leben muss und darf!
Kleine Pausen und immer wieder auf seine innere Stimme, seinen Bauch hören, auf unserem großen Lebensweg.
Vielleicht ist das die neue Freiheit.
Nicht die große Ruhe, sondern kleine, ehrliche Pausen.
Wenn die Welt leise wird, erinnern wir uns
Und vielleicht kommt auf meine nächsten Raunachtzettel noch ein zweiter Traum.
Polarlichter in Finnland.
Eine Blockhütte im Schnee.
Rentiere.
Stille.
Ein Himmel, der leuchtet, ohne Strom.
Nicht als Flucht.
Sondern als Erinnerung daran, wie wenig es braucht.
Lasst es mich Euch so beschreiben: Mit jeder Steckdose in einem Haus, wächst die Zahl der Erwartungen.
Mit jedem daran hängenden Gerät. Mit jeder neuen App auf dem Handy, jedem neuen Profil, dem man folgt, ein neues Müssen.
Doch wenn es draußen leiser wird, speziell vor ein paar Wochen, da war ich eingeschneit in Norddeutschland, da werden innen die Geschichten lauter.
Die eigenen. Und die unserer Lieben.
Omas Rezepte. Hände im Teig. Wärme aus Holz.
Ein Leben, das bereits ausgezeichnet funktioniert hat, bevor alles elektrisch und „angeblich vereinfacht“ wurde.
Ich bin überzeugt: Wir alle tragen diese Geschichten in uns.
Und vielleicht warten sie nur darauf, dass die Welt still genug wird, damit wir sie wieder hören.
Den eigenen Sehnsuchtskompass entdecken und ausrichten
Der Weg ist nicht nur das Ziel.
Der Weg ist die Sammlung all der Erinnerungen daran, wer wir sind.
Und irgendwo zwischen Holzofen und Winterhimmel geht eine Frau ihren Weg.
Nicht schneller. Nicht perfekter. Aber bewusster denn je.
Und wenn ihr nun beim Lesen dieser Zeilen innehaltet,
vielleicht hört ihr dann auch das leise Echo der eigenen Sehnsucht.
Lass es zu.
Vielleicht ist das genau der Weg. Oder der Weg, den ihr jetzt genau benötigt.
Und vielleicht war genau dieser vergangene Winter für mich so etwas wie ein innerer Kompass.
Ein stilles Ausrichten.
Etwas, das erst später sichtbar wird …
wenn sich Türen öffnen, von denen man noch gar nicht wusste, dass sie existieren.
Herzlichst
Betzie
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